Open Source Music

Im Rahmen der Ars Electronica hat Michael Tiemann Ideen geäußert, die auf eine Umlegung des “Open Source“- Prinzips auf die Musikwelt abzielen. Die “Krise” der Musikindustrie sieht er (unter anderem) in einem Qualitätsverlust begründet und dem sollen seine Überlegungen entgegen wirken. Tiemann schlägt ein Einbinden der Fans (Crowdsourcing, anyone?) in den Kreativprozesses vor. Die Musik des Künstlers, die Interpretation des Toningenieurs und die Rezeption durch die Hörer sollen so enger miteinander verknüpft werden & die “endgültige” Form eines Stückes obsolet gemacht werden. Jeder soll Zugang zu den Rohmaterialien bekommen, Versionen basteln & als Koproduzent fungieren.  Als Beispiel nennt er etwa Trent Reznor, der das Rohmaterial zu “Year Zero” freigegeben hat…

Die Idee an sich ist ja nicht sonderlich neu; neben Trent Reznor haben etwa Radiohead und auch die Einstürzenden Neubauten dieses Prinzip genutzt. Radiohead boten etwa das Rohmaterial des Tracks “Nude” (gegen Bezahlung) über i-Tunes an, gaben Fans so die Möglichkeit Neuinterpretationen zu bauen und erschlossen eine neue Einnahmequelle. Die Einstürzenden Neubauten gaben mit “Supporter-Alben” den Fans die Möglichkeit aktiv an der Produktion teilzunehmen indem sie (via Chat) mit der Band in Verbindung standen.

Aber trotzdem darf man nicht den Fehler machen Kunstproduktion mit der Produktion von Software zu vermengen. Betriebssysteme und Programm. können mit objektiven Qualitätskriterien gemessen werden, was bei Musik nicht möglich ist. Der Schluss, der bei Software durchaus zutreffen mag, funktioniert im Zusammenhang mit Musik überhaupt nicht: Auch wenn Tausende sich an der Produktion des Stückes beteiligen, muss das noch lange nicht bedeuten, dass diese Tausend genau jene Version des Stückes produzieren, die ich am besten finde. Tiemmann überwertet auch den Aspekt der Produktionsqualität, der in letzter Konsequenz bedeutet, dass “gute” Musik auch gut verkaufen wird. Die auditive Qualität von Popmusik alleine bildet keine Kaufentscheidung. Warum sonst wird Musik seit einigen Jahren über Mp3s konsumiert?

[den besprochen Artikel findet man auf derstandard.at unter |Kultur|Bildende Kunst|Media & Art|Ars Electronica; eine Direktverlinkung ist leider nicht möglich…]

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