Monthly Archives: January 2009

Der Soundtrack zum Untergang

via: myoon

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coffee & milk

Zeitungen sind etwas schönes… Es gibt nichts amüsanteres als sich in öffentlichen Verkehrsmitteln durch großformatige Zeitungen zu kämpfen oder andere dabei zu beobachten. Aber dank des Internets  kämpfen auch Zeitungen und Magazine mit sinkenden Absatzzahlen.

Einen gewissen Mehrwert für ihre Blätter versuchen (interessanterweise vor allem englische) Zeitungen mit exklusiven CD-Beilagen zu erreichen. Nach Prince, liefern jetzt auch Sigur Ros musikalische Umrahmung für ein gelungenes (englisches) Frühstück.   Im Gegensatz zu Planet Earth (Prince) wird We play endlessly keine neuen Stücke enthalten, sondern bietet so etwas wie ein Best-of bereits erschienener Alben der Isländer.

Diese Aktion wird natürlich wieder Apokalyptiker reanimieren, die um den “Wert” von Musik bangen (was auch immer das dann genau sein mag…). Viel spannender finde ich aber die Frage, mit welchem Kalkül Sigur Ros diese Aktion verfolgen. Ich muss gestehen, ich höre mir beigelegte CDs fast nie an. Aber vielleicht liegt das ja daran, dass mir schon  im Web schon viel zu viel Musik um die Ohren fliegt…

via Pitchfork

Foto:  CC by pokpok313

Hey Ho, Let`s go

Nach langen, zähen und nervenaufreibenden Verhandlungen mit der Finanzabteilung ist es beschlossen:

Cut, Copy and Paste goes Audio Poverty

Mehr drin, mehr dran, mehr drauf.

” Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles 50 Jahre später…” (Gustav Mahler). Nun, 50 Jahre hat es ja dann doch nicht gedauert, aber gut 10 Jahre nachdem Napster der Menschheit die Vorteile von Mp3s vorgeführt hat, beglückt uns der “Verband der Österreichischen  Musikwirtschaft” (IFPI) mit einer Kampagne, die uns die Pluspunkte der Musik-CD wieder ins Gedächtnis rufen soll.

(c) IFPI
(c) IFPI

Nun? Was bitte sind diese Pluspunkte?

“Die CD bietet beste – weil unkomprimierte – Klangqualität, sie bietet die perfekte Zusammenstellung der Musik in Form des Albums und sie bietet Zusatzfeatures wie Booklet, Songtexte, Infos zu den Künstlern sowie Bonusmaterial.”

Schon die Behauptung die CDs würden die beste Soundqualität aufweisen finde ich etwas verwegen, da schon die Digitalisierung analoger Sound einen Verlust in sich birgt. (Auch wenn dieser, sich in einem Bereich abspielt der für den Hörer völlig irrelevant ist). Aber Dinge wie Booklets, Songtexte und Informationen im 21. Jahrhundert als besondere Zusatzfeatures verkaufen zu wollen finde ich fast schon ein herzerweichend.

Auch das immer wieder gern bemühte Argument der Haptik wird aus der Schublade gezaubert um die (vermeintliche) Vorreiterrolle der CD zu stützen. Doch sollte man in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass mit der jetzigen Jugend eine Käuferschicht heranwächst, deren primärer Bezug zu Musik ein ganz und gar anderer ist. Durch die Omnipräsenz und die prinzipiell uneingeschränkte Verfügbarkeit von Musik wird diese immer weniger wert. Diese Entwertung der Musik geht einher mit einer Aufwertung der Gadgets mit denen diese Musik konsumiert wird. Wenn die inhaltliche Ebene (die Musik) an Wichtigkeit verliert, scheint es für mich auch logisch, dass Aspekte wie Haptik und Ästhetik (in Bezug auf Musik) keine Rolle mehr spielen. Haptik und Ästhetik werden auf andere Stationen des Musikkonsums transferiert und könne so kein (Ver-)Kaufsargument mehr bilden.

“Die CD ist „MP3 friendly“ und wird verstärkt dazu verwendet, Musikaufnahmen in bester Qualität auf MP3 Player und andere digitale Devices zu kopieren.”

Ich soll mir jetzt also eine CD kaufen, damit ich mir dann schlecht komprimierte Mp3s daraus mache anstatt diese gleich (legal oder illegal) aus dem Netz zu laden? Verstehe!

Bei aller Kritik muss man der Kampagne aber  zu gute halten, dass hier nicht  Kriminalisierung im Fordergrund steht, sondern ein fast schon versöhnlicher Ton angaschlagen wird. Kuschelkurs als nicht nur in der Koalition!?

Selber nachsehen und staunen: hier!