Monthly Archives: January 2010

Copyright Criminals

In Copyright Criminals kommen so unterschiedliche Künstler und Kulturtheoretiker wie Matmos, Public Enemy, Steve Albini, Lawrence Lessig,  Siva Vaidhyanathan und George Clinton zu Wort. Die Debatte über die Sinnhaftigkeit der bestehenden Copyright-Regelungen im 21. Jahrhundert wird dabei vor allem über das Thema “Sampling” aufgemacht. Neben historischen Beispielen (Biz Markie und De La Soul), wie diese Regelungen kreatives Schaffen einschränken können, kommt  auch der “Most Sampled DrummerClyde Stubblefield zu Wort. Auch Walt Disney bekommt wieder mal sein Fett weg – schade bleibt einzig und allein, dass Steve Albini sich auch anscheinend in diesem Jahrtausend noch mit dem Gedanken anfreunden kann, dass auch Turntables Instrumente sind.

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Simon Frith: The Value of Live-Music

In einem Venue, in dem Live-Performances unterschiedlicher Art veranstaltet werden, hat „einer der bedeutendsten akademischen Popmusik-Forscher“ über genau diese gesprochen. Simon Frith präsentierte erste Ergebnisse eines langjährigen Forschungsprojektes, das mit einer (nicht weiter konkretisierten) Konferenz 2011 abgeschlossen werden soll. Der Vortrag konzentrierte sich dabei mehr auf den ökonomischen Wert von Live-Musik, als ihren „ideologischen“ (oder soziologischen) Wert.

Doom vs. Boom

Frith unterschied zwischen zwei verschiedenen Modellen in Bezug auf die ökonomische Wichtigkeit von Live-Musik in der Musikindustrie: Das sogenannte Doom-Modell sieht Live-Musik nur bedingt als ökonomisch verwertbar an, wogegen das Boom-Modell Live-Musik als Rettungsanker der leckgeschlagenen Musikindustrie betrachtet. Argumente, die das Doom-Modell bekräftigen, sind die nicht steigerbare Produktivität von Konzerten und ihre inhärente Beschränktheit. Als Beispiel für die nicht vorhandene Möglichkeit, die Produktivität von Konzerten zu steigern, führte Frith folgendes simples Beispiel an: Um ein Mozart Quartett aufzuführen, wird man immer vier Musiker brauchen – auf Seiten der Produktion bestehen also immer Fixkosten, die nicht gesenkt werden können. Die inhärente Beschränktheit des Konzertes ergibt sich aus der Tatsache, dass einfach nur ein gewisser Anteil an Personen einer Performance physisch beiwohnen kann. Zu diesen ökonomischen Einwänden kommt noch die akademisch-soziologische Sichtweise hinzu, die lange Zeit den Erwerb von Tonträgern als primäre popmusikalische Tätigkeit betrachtet hat.

Boom? Boom!

Aufgrund der Einkommenseinbrüche durch den Tonträgerverkauf hat natürlich musikindustrielle Interessen verlagert – Frith weist auf folgende Aspekte hin, die aus dieser Verlagerung entstanden sind und allesamt versuchen die Produktivität von Live-Musik  zu steigern:

  • Festivals: Diese versuchen die Produktivität zu steigern, in dem es sie es immer mehr Massen ermöglichen, Konzerte zu erleben.
  • Konzertreihen: An Beispielen wie Michael Jackson (der hat ja aus bekannten Gründen seine Konzerte  dann doch nicht gespielt) oder Britney Spears zeigt sich die immer stärker verbreitete Praxis, ein und dasselbe mehr als nur einmal Venue zu bespielen. Auch dies gibt die Möglichkeit zur Produktivitätssteigerung durch mehr potentielles Publikum und verminderte Kosten (für Transport, Crew, usw.)
  • Mediatisierung: Produktivitätssteigerung durch Erweiterung des Publikums in Form von Konzertvorführungen, die in Kinos oder via Live-Streams übertragen werden.

Auch zum Thema: Frith im Interview mit Spiegel Online.

Diskurs und Disko

Freude kommt auf – langsam, aber doch!

Am Freitag, den 15.01.2010, spricht der von mir hochverehrte Simon Frith im  nicht minder verehrenswürdigen Hebbel am Ufer Theater in Berlin. Das ganze passiert im Rahmen der Veranstaltungsreihe Life is Live – Musik, Diskurs, Performance.

Simon Frith (Wiki) ist einer bekanntesten Exponenten der britischen Cultural Studies und wird über den Wert von Live-Musik sprechen.

Mit dem weitgehenden Zusammenbruch des Tonträgermarktes ist die Konzertbranche zum umsatzstärksten Segment der Musikwirtschaft avanciert. Wer von seiner Kunst noch den Lebensunterhalt bestreiten will, ist zur Dauerpräsenz auf der Bühne, zur permanenten Performance seiner Künstlersubjektivität gezwungen. Die Unterhaltungskonzerne, die Booking-Agenturen, die Getränkehersteller, die Immobilienbranche, die Online-Ticketverkäufer, sie alle wollen an diesem Geschäft mitverdienen.

Am Samstag, den 16.01., gibt es dann auch noch zwei Panels (1 2), die sich dem veränderten Stellenwert des Live-Konzerts  widmen.

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